29.06.26 –
In der Sitzung der Gemeindevertretung wurde einstimmig der Bebauungsplan Kilianstädten Nord II angenommen, d.h. auch mit unseren Stimmen. Uns erreichten mehrere Fragen, was sich am Projekt gegenüber den initialen Planungen verbessert hat und warum wir es so geändert nun für ein gutes Vorhaben halten und es unterstützen. Wir fassen nachfolgend grob die Historie zusammen:
- Schöneck ist schwach an Gewerbesteuern, weshalb wir „schon immer“ das neue, 8 ha große Gewerbegebiet Kilianstädten Nord II unterstützt haben. Das steht seit ca. 2010, auch mit unserer Unterstützung, bereits im Flächennutzungsplan. Damals war noch keine Rede vom Rechenzentrum.
- 2021 begannen die RZ-Planungen mit der Fa. Hetzner auf dieser Fläche. Damals war absehbar, dass Hetzner eingeschossig und damit platzverschwenderisch gerne auf 13 ha bauen würde und es keinen Plan für die Nutzung der Abwärme gab. Um das zu ändern, hatten wir als Bedingungen für die Änderung des Aufstellungsbeschlusses (von 8 auf 13 ha) formuliert, dass zweigeschossig gebaut wird und die Abwärme genutzt werden muss. Beide Bedingungen wurden von der Gemeindevertretung abgelehnt, weshalb wir in der Folge das Projekt in dieser Form ablehnten, aber in jedem Verfahrensschritt Verbesserungen anmahnten und auch kleine Zugeständnisse erzielten, aber keinen Durchbruch. Einen solchen erbrachte auch eine Mediation nicht.
- 2025 setzte endlich ein Umdenken in Schönecks Kommunalpolitik ein. Eine Neubewertung ergab, dass das Hetzner-Projekt doch kein so gutes ist, und der Vorgang wurde mit einem offenen Bieterverfahren wieder aufgemacht. Neu dabei war: Eine flächensparende, 2-geschossige Bauweise wurde vorgegeben und das Gewerbegebiet sollte jetzt „nur“ noch 10,5 ha groß sein, davon ca. 7 ha für das RZ, womit 3,5 ha noch für andere Ansiedlungen „übrig“ bleiben.
Damit wurden 1,5 von unseren 2 Forderungen erfüllt. Voll erfüllt ist die flächensparsamere Bauweise. Zur Hälfte erfüllt ist die Abwärmenutzung, denn die Abgabe durch den RZ-Betreiber AWS ist geregelt. Noch nicht geregelt ist jedoch die Nutzung der Abwärme. Die Nutzung würde im Ortsgebiet für Heizzwecke schwierig, weil sie aufgrund des fehlenden Wärmenetzes unwirtschaftlich sein würde, wie eine Vorstudie ergab. Aber bei der Vermarktung der übrigen 3,5 ha Gewerbegebiet sucht die Gemeinde auf unseren Antrag hin nach Unternehmen, die die Abwärme nutzen können. D.h. die Abwärmenutzung ist noch nicht in trockenen Tüchern, aber es gibt gute Chancen, dass sie realisiert wird. Deshalb stufen wir diese unserer Anforderungen als zur Hälfte erfüllt ein. Mit 1,5 von 2 erfüllten Forderungen haben wir dem Projekt seither zugestimmt.
Jenseits der ursprünglichen beiden Forderungen spielen für eine Entscheidung folgende Überlegungen und Bewertungen eine Rolle:
- Finanzen: Da der Grundstücksverkauf in nicht-öffentlicher Sitzung verhandelt wurde, dürfen wir den Verkaufserlös nicht nennen. Aber allein die Anzahlung beträgt 21 Mio Euro. Man kann sich ableiten, dass der Gesamtbetrag ein Mehrfaches davon beträgt, das ist Geld, das die Gemeinde sehr gut gebrauchen kann.
- Wasser: Etwas dürftig sind noch die dokumentierten Regelungen hierzu. Aber: Die Kreiswerke haben ihr Go gegeben. Und v.a.: Neben Strom ist Wasser zur Kühlung essentiell für den Betrieb des RZs. Deshalb halten wir die Planungen von Amazon, „wasser-positiv“ zu werden, d.h. mehr Wasser zurückzugeben als zu entnehmen, für plausibel. Amazon versucht, sich da unabhängig zu machen. Denn wenn das Wasser knapp würde und für Amazon abgestellt würde, dann könnte ansonsten das RZ nicht mehr betrieben werden. Auf einer Info-Veranstaltung von Amazon in Maintal hatten wir uns die Planungen für das dortige RZ erklären lassen.
- Amazon als Betreiber und damit Abhängigkeit von US-Milliardären: Das ist in der Tat ein Wermutstropfen. Aber: Wir bekommen als Gemeinde deren Geld, nicht die unseres.
- Digitalisierung und RZ: Als Grüne sind wir für mehr Digitalisierung. Und dafür braucht es RZs. Wenn wir das ernst meinen, dann müssen wir auch offen sein für RZs an geeigneten Standorten, auch wenn sie vor der eigenen Haustür sind. Sonst handeln wir ähnlich inkonsistent, wie Windkraftgegner, die behaupten, zwar grundsätzlich für erneuerbare Energien zu sein, aber 1.000 Gründe finden, warum gerade der Standort vor der eigenen Haustür nicht geeignet sein sollte.
Eine umfassende Historie zur Entwicklung des Vorhaben haben wir hier dokumentiert: https://gruene-schoeneck.de/rechenzentrum. Der Redebeitrag von Fraktionschef Wolfgang Seifried in der Gemeindevertretung vom 25.06.2026 kann im Parlamentsfernsehen hier angehört werden: https://youtu.be/8ztaZjuY-zI?t=7718. Die Planunterlagen incl. der Abwägung zu allen Einwendungen liegen im Ratsinformationssystem hier: https://schoeneck.ris-portal.de/web/guest/sitzungen?sitzungId=191806 (TOP 10)